Expo-Event

Mes­se­ver­an­stal­ter unter Druck

14. April 2020
„Das gesamte Ecosystem „Messe“ steht unter enormem Druck“, konstatiert Eugen Brunner, Präsident des Verbands EXPO EVENT Swiss LiveCom Association. Aufgrund der notwendigen Massnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus gilt das vor allem für die Messeveranstalter. Sie tragen am Ende einer komplexen Wertschöpfungskette das grösste Risiko – und agieren insbesondere im Moment an ihrer Belastungsgrenze...

... Dadurch sind Messen und ihre wichtige wirtschaftliche Funktion als Wirtschaftsförderer und Impulsgeber für Handel, Handwerk und Gewerbe gefährdet. EXPO EVENT fordert daher einen sorgsamen und weitsichtigen Umgang mit Messen und ihren Veranstaltern. Kantonale Behörden sind aufgerufen, an der Entwicklung von Perspektiven mitzuarbeiten, um wichtige Messeplattformen – und ihre Branchen oder Regionen – in die Zukunft zu retten.

 

Messeveranstalter stellen sich als ein tragischer Brennpunkt der Corona-Krise heraus. Über Monate hinweg arbeiten mehrköpfige Teams an der Konzeption und Organisation von Messen. Im Gegensatz zu anderen Wirtschaftszweigen können Messeveranstalter ihre Leistung aber nicht einlagern. Das tragische Dilemma in dieser Krise: Der Veranstalter hat zu Beginn einer Messe einen Grossteil seiner Leistung für Aussteller und Besucher bereits erbracht. Den Nutzen dieser Leistung erfahren Aussteller und Besucher aber erst mit der Messe und dem daraus entstehenden Geschäft.

Mit dem bundesrätlichen Verbot von Veranstaltungen aller Art, kann dieser Nutzen bis auf weiteres nicht mehr entstehen. Die Messeveranstalter sehen sich daher mit Rückforderungen ihrer Aussteller konfrontiert, obwohl sie ihre Leistung bereits grossteils erbracht haben. Wir haben es hier also nicht mit dem normalen unternehmerischen Risiko zu tun. Mittelfristig führt dies zu einer düsteren Perspektive für die Veranstalter und den Mittelstand der Schweiz. Wenn sie nämlich die Rückforderungen ihrer Aussteller bedienen, fehlen ihnen die Mittel, um neue Messen für die Zeit nach der Krise vorzubereiten. Und dann wird es viele Messen und ihre stimulierenden Effekte für KMU wohl nicht mehr geben. 

Wie man es auch dreht und wendet: Der Schaden bleibt im Ecosystem „Messe“ haften. Entweder die Aussteller verlieren ihre Teilnahmebeiträge ganz oder teilweise. Oder aber der Veranstalter wird, als letzter in der Wertschöpfungskette, geschröpft und muss seinen Geschäftsbetrieb einstellen. Da sind die gewährten Kredite eine langfristige Hypothek, welche nur schwer wieder abzubauen ist. In einer Zeit, in der viele nach Staatshilfen rufen, kommt es auf den gesamtgesellschaftlichen Nutzen an. Bei Messen ist dieser klar: Sie übernehmen wichtige Funktionen der Wirtschaftsförderung – und beim Wiederanlauf der Wirtschaft. Für viele KMU ist die Messe der wichtigste Vertriebskanal, um ihre Jahresauslastung zu sichern.

Aus diesem Grund ruft EXPO EVENT die Kantone zu verantwortungsbewusstem Handeln in ihrer Funktion als Wirtschaftsförderer und Bewahrer der öffentlichen Daseinsvorsorge auf. Messeveranstalter brauchen einen kantonalen Ansprechpartner, der in dieser verzwickten Lage aufmerksam zuhört. Und der vor allem wirksame Hilfsangebote zur Verfügung stellt, um dem volkswirtschaftlichen Dilemma etwas entgegenzustellen. Ausserdem benötigt die Messewirtschaft eine klare Wiederaufnahmeperspektive – und sei es unter Auflagen – spätestens für den Herbst 2020. Sonst droht einer ganzen Branche das Aus.