Verbände der Veranstaltungsbranche lehnen die SRG-Initiative ab
Abstimmung am 8. März
Die Eidgenössische Volksinitiative «200 Franken sind genug! (SRG-Initiative)» fordert eine Senkung der Gebühren für Radio und Fernsehen von aktuell 335 auf 200 Franken pro Jahr und eine vollständige Befreiung der Unternehmen von der Abgabe. Am 8. März wird das Volk über die Initiative abstimmen. Der Bundesrat hat zudem bereits im vergangenen Jahr beschlossen, die Haushaltsabgabe auf dem Verordnungsweg auf 300 Franken pro Jahr zu senken.
Zahlreiche Live-Veranstaltungen gefährdet
Die Halbierungsinitiative bedroht die Qualität und Vielfalt unsers öffentlichrechtlichen Rundfunks in ernsthafter Weise. Eine radikale Reduktion der Gebühren, wie es die Initiative vorschlägt, hätte weitreichende negative Konsequenzen für das kulturelle Leben in unserem Land. Zahlreiche kulturelle und sportliche Live-Veranstaltungen in der Schweiz sind auch auf die mediale Unterstützung durch öffentlich-rechtliche Medien angewiesen. Die SRG spielt mit ihren wichtigen Beiträgen zur Promotion und somit indirekt zur Finanzierung solcher Live-Veranstaltungen eine zentrale Rolle. Einerseits bei Live-Übertragungen von sportlichen Grossanlässen wie Skirennen und Schwingfesten oder von kulturellen Grossveranstaltungen, welche mit dem drohenden Gebühreneinschnitt nicht mehr finanzierbar wären. Andererseits aber auch bei mittelgrossen und kleineren Veranstaltungen in den Bereichen Kultur und Sport, für welche eine breite mediale Berichterstattung entscheidend für die Sichtbarkeit und den Erfolg ist. Die Präsenz und Promotion durch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk generiert Interesse und zieht weitere Sponsoren und Geldgeber an. Ohne diese mediale Unterstützung würden viele Veranstaltungen nicht die nötige Aufmerksamkeit erhalten, was zu einem Rückgang des Sponsorings und der finanziellen Unterstützung führen würde. Mit weniger Mitteln könnten viele dieser Veranstaltungen nicht mehr in gewohntem Umfang - oder zum Teil gar nicht mehr - stattfinden. Dies würde deutliche Einschnitte bei kulturellen und sportlichen Live-Veranstaltungen bewirken und die kulturelle Vielfalt in der Schweiz erheblich beschädigen.
Beeinträchtigung der Infrastruktur
Die finanziellen Mittel, welche die SRG für ihre Berichterstattung für kulturelle und sportliche Live-Veranstaltungen einsetzt, tragen auch zur Erhaltung und Entwicklung der kulturellen und sportlichen Infrastruktur in der Schweiz bei. Gerade Veranstaltungsorte, Festivals und andere kulturelle Einrichtungen profitieren daher indirekt ebenfalls von dieser Unterstützung. Eine Reduktion der Gebühren würde die langfristige Planung und Durchführung vieler kultureller Projekte gefährden.
Wirtschaftliche Auswirkungen nicht nur für die Veranstaltungsbranche
Die Veranstaltungsbranche wäre von der Reduktion der Gebühren besonders betroffen. Unzählige lokal verankerte Schweizer KMU und ihre Zulieferer sind in dieser weitverzweigten Branche tätig: Konzert-, Show- und Festivalveranstalter, Messeorganisatoren, Stadionbetreiber, Kongresszentren, Konzert- und Eventlocations, Theaterhäuser, Sportarenen, Eventagenturen, Veranstaltungstechniker, Produktionsfirmen, Zelt- und Messestandbauer, Catering-Unternehmen und viele mehr. Weniger finanzielle Mittel würden zu einem Rückgang der Anzahl und Qualität von Veranstaltungen führen – mit direkten und einschneidenden Folgen für die Veranstaltungsbranche und ihre Zulieferer. Arbeitsplätze könnten gefährdet und die wirtschaftliche Grundlage vieler Unternehmen deutlich geschwächt werden.
Nicht vergessen werden darf, dass auch weitere Wirtschaftssektoren von grossen Live-Veranstaltungen profitieren. So hat zum Beispiel der ESC 2025 in Basel die wirtschaftlichen Effekte solcher Grossanlässe auf Tourismus, Hotellerie, Gastronomie und die lokale Wirtschaft eindrücklich aufgezeigt. Gemäss offiziellen Angaben des Kantons Basel-Stadt löste der ESC in der Schweiz einen Umsatz von 248 Millionen Schweizer Franken aus und brachte der Region Basel 53 Millionen Franken an Wertschöpfung. Dieser Zusammenhang wird unter anderem auch durch eine Studie der Hochschule für Wirtschaft Zürich HWZ (in Zusammenarbeit mit Ticketcorner) von 2025 untermauert. Die Studie belegt die enorme Bedeutung internationaler Grossanlässe für die Schweizer Wirtschaft am Beispiel eines Grossanlasses mit internationaler Ausstrahlung. Ein Konzerterlebnis mit zwei Shows im Sommer 2024 in Zürich generierte eine Gesamtwertschöpfung von mehr als 92 Millionen Franken – mit positiven Effekten für Tourismus, Handel und Gastronomie.
Die Allianz der Veranstalterbranche, gegründet zu Beginn der Pandemie im Jahr 2021, bündelt die Interessen der Gesamtbranche und vertritt diese gegen aussen. So soll sichergestellt werden, dass die sehr heterogene Branche ihre Anliegen vereint gegenüber Behörden und Medien kommunizieren kann. Die in der Allianz vertretenen Verbände repräsentieren ein weitverzweigtes Netzwerk von Unternehmen, von Messeorganisatoren über Eventagenturen, Konzert-, Show- und Festivalveranstaltern, Stadienbetreibern, Konzert- und Eventlocations, Theaterhäusern bis hin zu Veranstaltungstechnik- und Produktionsfirmen, Zelt- und Messestandbauern sowie Cateringunternehmen.